Heute verbrachte ich einige Zeit damit einem Hund hinterherzujagen. Allerdings nicht meinem Hund.
Alles begann heute Morgen als ich auf den Weg aus dem Badezimmer in mein Schlafzimmer einen kurzen Blick durch die Glastür hinaus in den Garten warf und das Hinterteil eines kleinen Tieres erspähte- ich dachte zuerst an eine Katze, aber neugierig wie ich bin schaute ich natürlich nach. Nicht zuletzt, weil ich befürchtete Besuch sei im Anmarsch (denn in meinem Umkreis trägt fast jeder eines dieser pelzigen Accessoires mit sich herum). Schließlich erblickte ich einen mir völlig fremden kleinen, dunkelbraunen, süßen Hund. Ich war überrascht, aber natürlich freute ich mich auch über den kleinen Besuch. Der Hund war- wie ich noch überraschter, ja, fast schon ein wenig beleidigt, feststellen musste weniger glücklich über meinen Anblick. Um die Wahrheit zu sagen: Er rannte völlig verängstigt davon. Ich rief nach ihm in der zuckersüßesten Stimme, die ich am frühen morgen aufbringen konnte, nach ihm und ging in die Hocke wie ich es in der Hundeschule gelernt hatte. Doch zu spät. Der Hund war bereits auf der Straße und ich Unsportlichste alle Unsportlichen hastete hinterher. Als der Hund merkte, dass ich ihm folge, lief er auf die andere Straßenseite und ich hinterher. Daraufhin rannte er die Hauptstraße hinunter. Ich war kurz davor ihm entschlossen hinterherzujagen, als ich die Blicke der Passanten bemerkte. Da fiel mir plötzlich auf, dass ich einen recht komischen Anblick abgeben musste in meinen rosa Pantoffeln, dem nassen Haar und der wild zusammengemixten, alten Schlabberklamotten- von meinem ungeschminkten Gesicht mal ganz zu schweigen. Was nun? Ich ging zurück ins Haus und zwang mich den Hund aus meinem Gedächtnis zu streichen, doch der kleine Vierbeiner spukte noch die ganze Zeit in meinem Kopf herum. Als ich mit meiner Mutter, dann später beim Mittagessen saß (habt ihr schon Veggieburger probiert?) stieß meine Mutter plötzlichen einen ängstlichen Schrei aus, denn ein kleiner, brauner Hund sauste erneut über die Straße und das Ehepaar vom Haus nebenan hinterher. Wir eilten sogleich zu Hilfe, doch unten angekommen war der Hund längst wieder drei Straßen weiter. Die Frau von nebenan holte ihr Auto und wir hetzten dem Hund zu dritt hinterher. Während dem Rennen erfuhr ich dann auch endlich wem der kleine Ausreißer gehört- unserem Nachbar von gegenüber. Ich wollte den Hund unbedingt erwischen und war besonders motiviert und sprintete so richtig los als ich den Hund von weitem, über einer Wiese flitzend, erblickte. Das bekannte Seitenstechen machte sich bereits nach wenigen Metern bemerkbar. Der Hund aber war so schnell wieder verschwunden wie ich ihn erblickt hatte. Dafür fand ich nun endlich den Besitzer des Hundes, der offenbar hoffte seinen kleinen Vierbeiner in den Büschen zu finden, denn er zog und zerrte an den Ästen als ich zu ihm stoß. Ich informierte ihn, dass der Hund ziemlich wahrscheinlich weiter den Berg hochgerannt sein muss, obwohl ich natürlich auch hoffte, er möge reumütig aus diesen Büschen hervorkriechen und sich brav das Halsband anlegen lassen. Während wir uns den Berg halb laufend, halb gehend hochschleppten, erzählte mir unser Nachbar wie der Hund, der übrigens Kaya heißt, ausreißen konnte. Seine Frau ließ ihn an diesem Morgen in den eingezäunten Garten, doch der Hund machte Gebrauch von einem Stuhl und einem Tisch und sprang anschließend leichtfüßig über den Zaun. Schnaufend oben angekommen, hielten mehrere Autofahrer um uns darüber in Kenntnis zu setzen, dass sie einen frei laufenden Hund ohne Herrchen oder Frauchen die Straße entlang rennend gesichtet haben. Ein sehr nettes Ehepaar war etwas hilfreicher und ließ meinen Nachbar sogar mitfahren und suchten gemeinsam mit ihm alle Gebiete ab, doch ohne Erfolg. Sie glaubten jedoch gesehen zu haben wie der Hund in eine Mülldeponie hineingerannt ist. Also traten wir alle den Rückweg an um mit dem Auto das große Suchen fortzusetzen. Wir fuhren zu der Mülldeponie, wo natürlich weit und breit kein Hund zu sehen war, daher durchkurvten wir den nahe gelegenen Wald, doch auch hier keine Spur. Nach einiger Zeit brachen wir unseren Trip durch die Wälder ab um ziemlich gefrustet aufzugeben. Doch ca. 2 Stunden später brach wieder das Chaos auf der Landstraße vor unserem Haus herein, was besonders die schwer beladenen LKW’s nicht gerade in Hochstimmung versetzte, doch das war der kleinen Gruppe von Nachbarn und vor allem dem kleinen Vierbeiner, der wieder einmal im Zick Zack über die Straße rannte, ziemlich egal. Doch auch dieses Mal bekam den kleinen Kaya keiner zu fassen. Der Besitzer hielt sich währenddessen abermals im Wald auf und kam auch mit einem Hund auf dem Rücksitz zurück, wenn auch nicht mit seinem. Bei der Suche nach seinem Ausreißer stieß er auf einen kleinen, nicht ganz so flinken Dackel, den er auf der Heimfahrt seinem Herrchen übergab, der ebenfalls mit einer Leine ohne Hund am Straßenrand entlang marschierte. Als dann schließlich alle wieder resigniert in ihren Häusern saßen, bekamen wir auf einmal einen Anruf von dem Nachbar von gegenüber, der uns mitteilte, dass der Hund plötzlich beim Müll raus bringen hinter ihm stand und ihm anstandslos ins Haus folgte. Der Ausflug von dem kleinen Kaya war beendet.
Bei dem Mischling, der die halbe Nachbarschaft heute auf Trap hielt, handelt es sich um einen Hund aus dem Tierheim, den er erst gestern dort abholte. Er ist 2 Jahre alt und bevor er in das Tierheim, zu einer Pflegefamilie und schließlich zu meinem Nachbar kam, lebte er auf den Straßen Bulgariens. Als wir das zu hören bekamen wunderte wir uns nicht mehr über das Scheue Verhalten des Hundes. „Wer weiß, was der schon alles erlebt hat!“; „Wer weiß, was der für Krankheiten mit nach Deutschland geschleppt hat?“; „Mit so einem Kauf unterstützt man den Handel mit diesen armen Geschöpfen“ waren einige der Kommentare dazu. Also dem ersten Kommentar muss ich zustimmen, was dieser Hund schon erlebt hat, möchte ich nicht unbedingt wissen. Auch bei dem zweiten ist etwas dran, aber bei dem 3. bin ich mir nicht sicher. Dass man im Urlaub in beispielsweise Tschechien oder Polen keine Welpen auf einer dieser Märkte, die schon oft im TV gezeigt wurden, kaufen soll ist mittlerweile bekannt, denn damit unterstützt man wirklich diesen unwürdigen Handel mit Tieren. Doch wenn ein Tierheim oder eine Organisation einer der Hunde, die in diesen Ländern auf der Straße leben, retten finde ich das ziemlich gut. Klar muss man sich gut überlegen, ob man einen solchen Kauf wagen soll- vor allem, wenn Kinder mit dem Hund in Kontakt kommen, da es sicher schwierig ist diesen zu erziehen. Außerdem kann ein solcher Kauf ziemlich hohe Kosten beim Tierarzt mit sich bringen. Ein solcher Hund, den ich kannte, starb nach kurzer Zeit in Deutschland. Ein anderer ist mindestens genauso wenn nicht sogar viel mehr bei bester Gesundheit als beispielsweise diese völlig überzüchteten Rassen.
Wie man sich hierbei entscheidet, muss wohl jeder selbst wissen. Ich für meinen Teil hoffe nur, dass unser ausländischer, vierbeiniger Nachbar morgen mal lieber das Haus von Herrchen in Augenschein nimmt.
Haha oje was für eine lustige Geschichte :D über das happy end freue ich mich sehr:) dein Schreibstil ist der Hammer!
AntwortenLöschenhey du! vielen dank:) freut mich wirklich sehr, dass es dir gefällt- da lohnt sich das Schreiben;)
LöschenLiebste Grüße:)
ruf mich das nächste mal an xD ich möchte dich auch in deinen Schlabber-Klamotten über unsere Hauptstraße rennen sehn :'D grüße lisl-pisl :D
AntwortenLöschenhey buuuu!! das nächste mal kommst du mit in deiner hoobabadoob-unterwäsche :'DD vllt sollte ich mal über den Italien-Urlaub schreiben ;D "..da standen die ganzen Kunden.." haha ly :-**
Löschendeine hunde sind alle reinrassig, oder??
AntwortenLöschenMein Hund ist ein Mischling zwischen einem Harlekin Pudel und einem Cocker Spaniel (auch Cockerpoo genannt- also vllt doch schon reinrassig? :o haha) und Coco, die Zwergpudelhündin, gehört meinem Onkel. Mir egal, was in meinem Hund alles steckt oder auch nicht steckt, hauptsache er ist gesund&glücklich ;)
LöschenSo eine süssw geschichte und auch die bilder. :) ich finde du schreibst so spannenden und beschreibst alles so gut, dass man es sich richtig gut vorstellen kann. :) wie in einem guten buch.
AntwortenLöschenOch, was sind die beiden süß! :))
AntwortenLöschenSchöner Blog, ich werd bestimmt noch öfter vorbeischauen :)
Cristina
von: http://cristinasbeautyblog.blogspot.de/